Anne Zink aus Oberreichenbach

Ich bin Anne Zink, aus Oberreichenbach, bei Calw, und darf mich seit September 2012 als „Teil“ von Familie Ruopp sehen. Ausgesandt bin ich, wie bereits meine Vorgängerinnen, von Co-Workers. Nie hätte ich gedacht, dass ich einmal nach Rumänien gehen würde. Aber ich muss sagen, dass es mir wirklich sehr gut hier gefällt und das Land mir immer mehr ans Herz wächst.

Ich bin Gott von Herzen dankbar, dass er mich hierher gesandt hat. Die Kinder zum Lernen motivieren, Hausaufgaben kontrollieren, Englisch üben, Rosina im Haushalt unterstützen, Klavierspielen in der Gemeinde, Mitarbeit in der Hausaufgabenbetreuung von Zigeunerkindern in Nocrich – das sind meine Hauptaufgaben, mit denen ich hier dienen darf.

Mit der deutschen Jugend durfte ich schon einiges unternehmen, erleben und mehr vom Land sehen und kennen lernen. So fuhren wir z.B. vom 29.11. bis 2.12. in die Moldau um einen Missionar zu besuchen, den die deutsche Gemeinde hier unterstützt. Diese Region gilt als eine der ärmsten Rumäniens. Hier bei uns gibt es natürlich auch erschreckende Schicksale und Armut. Aber dort ist es ein ganz anderes Ausmaß. Es war eine sehr segensreiche und beeindruckende Zeit. Nach einer siebenstündigen Fahrt kamen wir freitags wohlbehalten in Fălciu, einem Dorf direkt an der Grenze zu Moldawien, an. Wir wollten einige Familien besuchen, ihnen Lebensmittel bringen, und zwei Kinderprogramme veranstalten.

In einem Dorf haben wir zuerst Traktate verteilt, sind mit den Leuten ins Gespräch gekommen und konnten Kinder zu unserem Programm einladen. Dort hat man sich richtig wie im Mittelalter gefühlt. Kein Strom, kein fließend Wasser – stattdessen Kutsche und Dorfbrunnen. Für die Dorfbewohner schienen wir fast wie eine richtige Attraktion zu sein. Das Leben dort erscheint einem total einsam, abgeschottet sowie trost- und hoffnungslos.

Die Leute sitzen Tag für Tag vor ihren Häusern auf den Bänken, plauschen mit den Nachbarn und warten darauf, dass ein fremdes Auto über die Schotterstraßen fährt oder irgendetwas passiert. Mit Alkohol versuchen viele, Frust und Unzufriedenheit zu ertränken. Vor allem Männer flüchten sich in den Alkohol und die Familien müssen unter Missbrauch und Gewaltausbrüchen leiden. Als wir so durch das Dorf marschiert sind, kamen einige aus ihren Häusern heraus und schauten neugierig, was wir zu verteilen hatten. Die Leute hatten richtig den Drang zu reden und erzählten einem gleich ihre ganze Lebensgeschichte. Es gab aber auch einige orthodoxe Gläubige, die mit uns Christen kein Wort wechseln wollten. Für die Christen dort, aber auch hier, kann es sehr schwer sein in einem orthodoxen Umfeld zu leben, da man oft auf starke Ablehnung stößt.

In diesem Dorf wurde eine neue Gemeinde gegründet, dort fand dann auch das Kinderprogramm statt. Es kamen ungefähr 25 Kinder, auch einige Jugendliche und Erwachsene. Es war total bewegend zu sehen, wie gespannt die Kinder der Geschichte lauschten, wie begeistert sie „Cine este regele junglei?“ („Wer ist der König des Dschungels?“) mitsangen und voller Enthusiasmus beim Spielen und Basteln dabei waren. Auch so mancher Erwachsene ließ sich richtig mitreißen. Für alle war das etwas komplett Neues. Das Thema war: Das verlorene Schäfchen. Uns war es wichtig, den Kindern zu sagen, dass Gott sie liebt und dass er ihr Hirte sein möchte! Sehr gerne dürft ihr dafür beten, dass Gott in den Herzen der Kinder, aber auch der Erwachsenen, wirkt. Für uns Mitarbeiter war es bewegend und schön zu sehen, wie sehr sich die Kinder gefreut haben, und dass sie einfach mal aus ihrem tristen Alltag herausgeholt wurden. Am liebsten würde ich sofort wieder zurückfahren und mithelfen, jeden Freitag dort Jungschar zu machen. Samstags wurde morgens das gleiche Kinderprogramm nochmals in der Gemeinde des Missionars veranstaltet und abends waren wir in der Jugendstunde. Am Sonntagmorgen besuchten wir den Gottesdienst. In der Moldau sind die Rumänen allgemein sehr konservativ… gerade auch bei der Kleidung. Und so hieß es auch für uns: anpassen!! Wir durften wirklich erfahren, dass der Einsatz unter Gottes Segen stand und konnten für uns selbst so viele Eindrücke, Segnungen und Freude mitnehmen.

Anne Zink